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Tradition - 325 Jahre Apothekenprivileg

Das Privileg zum Betreiben einer Apotheke

Am 12. Mai 2008 war es genau 325 Jahre her, dass Johann Friedrich Fesser, der damalige Betreiber der Apotheke am Markt, vom Sächsischen Kurfürsten Johann Georg III. das „Landesherrliche Privileg“ zum Betreiben einer Apotheke erhielt. Nachgewiesenermaßen verkauften er und sein Vater Matthäus Fesser (ab 1632 auch Bürgermeister von Bischofswerda) schon über Jahrzehnte Arzneien an eben diesem Platze, der auch heute noch von der Stadt Apotheke dazu genutzt wird.

Im Original leider nicht auffindbar liegt dem Stadtarchiv die Neubeurkundung des Privilegs aus dem Jahre 1699 vor, beglaubigt von keinem Geringeren als Friedrich August I., genannt August der Starke.

Über die folgende Zeit des 18. Jahrhunderts ist sehr wenig bekannt. Anscheinend sind viele Unterlagen durch den Stadtbrand von 1813 vernichtet worden. 1799 besaß die Apotheke Doktor Gottlieb Eberhard Kohlheim, Arzt und Apotheker, der trotz beider Berufe große wirtschaftliche Sorgen hatte. Daraufhin verbot im Jahre 1800 der Stadtrat bei 20 Talern Strafe die Konkurrenz durch Quacksalber und Hausierer.

Wiederaufbau der Stadtapotheke nach dem Stadtbrand

Am 12. Mai 1813 brannte auch die Apotheke bis auf die Grundmauern nieder.

Am 18.08.1814 wird als Besitzer Apotheker Karl Siegismund Leuthold genannt, der nebenamtlich Stadtkämmerer war. Dass er dadurch das nötige „Kleingeld“ zum Wiederaufbau hatte, ist wohl böse Unterstellung.

Leuthold, der 1842 starb, und seine Söhne betrieben die Apotheke noch bis 1865 und verkauften sie an Apotheker Oskar Volkmann. 30 Jahre lang wirkte dieser in der Apotheke, gestaltete sie um und richtete sie neu ein. Durch seinen Sohn Hans, nach dem eine Straße in Bischofswerda benannt ist, bleibt der Name Volkmann unvergessen.

Umbenennung zur „Sadt-Apotheke Bischofswerda“

1895 übernahm Apotheker Bernhard Krätzner, der von Volkmann ausgebildet worden war, die Apotheke. Er verkaufte sie bereits zehn Jahre später an Apotheker Ferdinand Hugo Röhrig. Dessen Name war Programm – er war überaus „rührig“, baute um und aus und beantragte beim Rat der Stadt die Umbenennung zur „Stadt-Apotheke Bischofswerda“ und erwarb das Recht zur Verwendung des damaligen Stadtwappens. 1921 veranlasste er die Neugestaltung der Marktansicht mit Aufbau der markanten Gaupe.

Auch Apotheker und Chemiker Theodor Canzler, der die Stadt-Apotheke ab 1930 in Pacht, ab 1939 im Privatbesitz betrieb, führte bauliche Veränderungen durch. So erweiterte er die Apothekenräume um ein modernes Labor, baute am Hintergebäude und Schuppen und installierte bereits damals ein modernes Wasserklosett.

Die Verstaatlichung der Apotheke

Nach dem 2. Weltkrieg brachen andere Zeiten an. Apotheker Alois Bauer wurde kommissarisch eingesetzt und die Apotheke Ende 1949, wie die Mehrzahl der Apotheken in der DDR, verstaatlicht. Seit 1950 leitete Apotheker Franz Uhlenhof die Stadt-Apotheke, ab 1952 übte er auch die Funktion des Kreisapothekers im neuen Landkreis Bischofswerda aus.

In den Jahren 1967 bis 1968 wurde die Apotheke von Apothekerin Rosemarie Gutsche und bis 1969 von ihrem Mann Dr. Karl Gutsche geleitet. Apothekerin Renate Uhlenhof, übernahm die Leitung der Stadt-Apotheke im Jahre 1969. Unter den schwierigen Bedingungen der Mangelwirtschaft gelang es all die Jahre, die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen und die Apotheke 1979/80 auch komplett umzubauen.

In den Obergeschossen waren jahrelang auch andere Bereiche wie die Abt. Labordiagnostika-Versorgung, die Abt. Versorgungs-Organisation und Teile der Rezeptabrechnung untergebracht.

Weiterführung als privatwirtschaftlicher Betrieb

Seit 01.10.1990 wird die Stadt Apotheke Bischofswerda durch Apotheker Johannes Rainer Klotsche wieder in privatwirtschaftlichem Betrieb geführt. In den 90er Jahren erhielt das Apothekengebäude in seinem Inneren ein ganz neues Gesicht.

Moderne Apothekenräume entstanden ebenso wie drei Wohnungen in den Obergeschossen. Der Apothekenhof wurde entkernt und neugestaltet. Zum „Tag der offenen Hinterhöfe“ kann er alljährlich besichtigt werden.